Datenrettung in Deutschland: realistische Erfolgsquoten und Kosten

Stand: 25. Mai 2026 · Autor: Martin Bäte, Geschäftsführer FBB-Service Management GmbH · Lesezeit: ca. 6–9 Minuten

Auf einen Blick Datenrettung in Deutschland 2026: Erfolgsquoten variieren stark je Symptom. Logische Schäden (versehentlich formatiert, Dateisystemfehler): 90–98 % Erfolgsquote, Kosten 290–680 €. Mechanische Schäden bei HDDs (klickt, klackt): 60–85 %, Kosten 480–1.480 € (Reinraum). SSD-Controller-Defekt: 40–75 %, Kosten 580–1.680 €. Wasserschaden iPhone: 50–75 %, Kosten 380–980 €. Diagnose im Labor: 35 € Pauschale, bei erfolgreicher Datenrettung angerechnet.

Erfolgsquoten je Symptom (realistisch)

Symptom / SchadensbildDatenträgerErfolgsquote*
Versehentlich formatiertHDD, SSD, USB, SD92–98 %
Versehentlich gelöschtHDD, SSD, USB, SD88–96 %
Dateisystem korrupt (RAW)HDD, SSD, USB, SD85–95 %
Wird nicht erkannt (logisch)HDD, SSD, USB, SD70–90 %
HDD klickt / klacktHDD (extern oder intern)60–85 % (Reinraum)
HDD nach Sturz oder StoßHDD50–80 % (Reinraum)
SSD-Controller-DefektSSD (SATA / NVMe)40–75 %
SSD nach StromausfallSSD60–85 %
RAID degraded / mehrere PlattenRAID, NAS70–90 % (je RAID-Level)
iPhone Wasserschaden (Logic Board)iPhone (alle Modelle)50–75 % (je nach Eingangszustand)
iPhone Display-Defekt, Gerät startetiPhone90–98 %
Android WasserschadenAndroid-Smartphone40–65 %
microSD nach StromausfallmicroSD-Karte60–80 %
BrandschadenAlle Datenträger20–55 % (je Schaden)
BitLocker/FileVault verschlüsselt (Passwort vorhanden)HDD, SSD85–98 %
Ransomware-VerschlüsselungAlle Datenträger5–30 % (je Variante)

* Durchschnittswerte aus der Branchenpraxis. Im Einzelfall kann das Ergebnis abweichen. Eine seriöse Diagnose vor Rettungsbeginn ist immer Pflicht.

Kostenstaffel: was ist realistisch?

SchadensklasseBeispieleTypische Kosten
Logische Schäden, einfachFormatierung, Löschung, Dateisystemfehler290–480 €
Logische Schäden, mittelRAW, NTFS-Beschädigung, Boot-Sektor380–680 €
HDD mechanisch, einfachLagerprobleme, Headcrash leicht480–880 €
HDD mechanisch, schwerHeadcrash schwer, Plattern-Schäden880–1.480 €
SSD Controller-ReparaturController-Defekt, Firmware-Reset580–1.180 €
SSD Chip-Off-VerfahrenMehrere defekte Chips, Bad-Block-Management880–1.680 €
RAID-5 / RAID-6 WiederherstellungMehrere Platten oder Controller-Defekt880–2.480 €
NAS-Wiederherstellung (Synology, QNAP)Mehrere Platten oder System-Volume defekt880–2.480 €
iPhone Wasserschaden DatenrettungLogic Board Reinigung + Daten-Extraktion380–980 €
Mobile Datenrettung (Android allgemein)Defektes Gerät, Chip-Off, JTAG380–980 €
USB-Stick / SD-KarteLogische Schäden290–580 €
USB-Stick / SD-Karte (Chip-Off)Controller defekt, mechanische Schäden480–980 €

Sofortmaßnahmen bei Datenverlust (kritisch!)

Bei vielen Schadensbildern entscheidet das Verhalten in den ersten Stunden über die Rettungsquote:

SchadensbildSofortmaßnahme
HDD klickt / klacktSOFORT ausschalten und vom Strom trennen. Jede weitere Sekunde Klicken zerstört Daten unwiderruflich.
SSD wird nicht erkanntMehrfache Stromzufuhr vermeiden (kein "Vielleicht-funktioniert-es-jetzt"-Versuch). SSDs haben Bad-Block-Management, das durch mehrfaches Einschalten weitere Sektoren als "defekt" markieren kann.
USB-Stick / SD-Karte nicht lesbarSofort vom Computer entfernen, keine "Reparieren?"-Aufforderung des Betriebssystems annehmen. Diese kann Daten überschreiben.
Formatiert / gelöschtDen Datenträger NICHT mehr beschreiben. Erstmal komplett anhalten und einsenden.
Wasserschaden (alle Geräte)Ausschalten, NICHT einschalten, NICHT laden. Bei Smartphones SIM-Karte und Akku (falls möglich) entfernen. Innerhalb 24–48 Stunden einsenden.
RansomwareVom Netzwerk trennen, ausschalten. Lösegeld NICHT zahlen (keine Erfolgsgarantie, finanziert weitere Angriffe). Datenträger einsenden für Wiederherstellungs-Diagnose.

Reinraum: was ist das und wann braucht man ihn?

Ein Reinraum (ISO-Klasse 5 oder besser) ist ein speziell gefilteter Arbeitsraum mit maximal 100.000 Partikel größer als 0,5 µm pro Kubikmeter. Zum Vergleich: normale Büro-Luft hat 1–5 Millionen Partikel pro Kubikmeter.

Ein Reinraum ist zwingend erforderlich bei jeder Öffnung einer HDD, weil Festplatten-Plattern keinen Staub vertragen. Schon ein Fingerabdruck oder ein Staubpartikel auf der Platte zerstört Daten unwiderruflich.

Bei SSDs ist Reinraum-Bedingung nicht zwingend, weil keine beweglichen Teile. Bei Chip-Off-Verfahren (Entlöten der Flash-Chips für direkte Auslesung) ist aber eine kontrollierte Umgebung sinnvoll.

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Häufig gestellte Fragen

Was kostet Datenrettung in Deutschland realistisch?

Je nach Schadensbild zwischen 290 € (logische Schäden, einfache Fälle) und 2.480 € (komplexe RAID-Wiederherstellung). Die häufigsten Fälle: Formatierung 290–480 €, klickende HDD 480–880 €, SSD-Controller-Defekt 580–1.180 €, iPhone-Wasserschaden 380–980 €. Diagnose im Labor: 35 € Pauschale, bei erfolgreicher Rettung angerechnet.

Meine Festplatte klickt - was muss ich SOFORT tun?

SOFORT ausschalten und vom Strom trennen. Jede Sekunde Klicken zerstört weitere Sektoren. NICHT die Festplatte schütteln oder klopfen. NICHT versuchen, sie erneut einzuschalten in der Hoffnung, dass es wieder geht. NICHT zu öffnen versuchen. So schnell wie möglich einsenden. Bei rechtzeitiger Einsendung Rettungsquote 60–85 %, sonst sinkt sie schnell auf unter 30 %.

Wie hoch ist die Erfolgsquote bei Datenrettung?

Stark vom Schadensbild abhängig. Logische Schäden (Formatierung, Löschung) 88–98 %. HDD mechanisch (klickt, Headcrash) 60–85 %. SSD-Controller-Defekt 40–75 %. iPhone Wasserschaden 50–75 %. Bei Brandschäden 20–55 %. Wir geben vor Auftragsbeginn eine realistische Einschätzung in der Diagnose.

Was bedeutet 'kein Rettung, keine Kosten'? Bieten Sie das an?

Wir bieten kein vollständiges 'No Recovery No Fee', weil das in der Praxis bei seriösen Anbietern nicht trägt. Stattdessen: 35 € Diagnose pauschal. Bei erfolgreicher Rettung wird das auf den Rettungspreis angerechnet. Bei nicht erfolgreicher Rettung sind die 35 € verbraucht. Vorteil: Sie wissen vor dem teureren Rettungsversuch, ob die Daten überhaupt rettbar sind.

Wie sicher sind meine Daten während der Rettung?

Wir arbeiten DSGVO-konform. Datenträger werden in einem gesicherten Labor verarbeitet, Mitarbeiter sind zur Verschwiegenheit verpflichtet, gerettete Daten werden nach Übergabe an den Kunden auf unseren Servern innerhalb von 14 Tagen gelöscht. Bei besonders sensiblen Daten (z. B. Anwaltskanzleien, Mediziner) bieten wir auf Anfrage NDA und Spezial-Workflows.

Wie übermitteln Sie die geretteten Daten?

Drei Optionen: 1) Auf einer neuen Festplatte oder SSD (typisch +60–150 € Materialkosten) zurück per Versand. 2) Auf einem USB-Stick (für kleinere Datenmengen). 3) Bei sehr kleinen Datenmengen (unter 5 GB): per verschlüsseltem Cloud-Link. Sie entscheiden nach erfolgreicher Rettung.

Kann ich gelöschte Fotos vom iPhone retten?

Bei intaktem iPhone: ja, in den meisten Fällen über iOS-eigene 'Zuletzt gelöscht'-Funktion oder iCloud-Backup. Bei wirklich verlorenen Daten (Restore-Reset, defekter Speicherchip): Chip-Off-Verfahren möglich, aber aufwendig (380–980 €). Bei iPhone-Wasserschaden mit defektem Logic Board: Reinigung + Datenausleitung, Erfolgsquote 50–75 %.

Was tun bei RAID-Ausfall?

Bei RAID-1, RAID-5 oder RAID-6: einzelne Platten können ausfallen, das System läuft weiter (degraded mode). Wenn jedoch zwei Platten gleichzeitig ausfallen oder der Controller defekt ist, ist Eingriff durch einen Fachmann nötig. WICHTIG: Bei degraded RAID NICHT versuchen, eine neue Platte einzubauen, ohne die Daten gesichert zu haben – Rebuild-Fehler können das ganze Array vernichten. Erst Datenrettung, dann Rebuild.

Reparieren Sie auch microSD-Karten und USB-Sticks?

Ja. Bei logischen Schäden (Karte 'plötzlich leer', wird nicht erkannt) 290–580 €. Bei mechanischen Schäden (gebrochene Karte, defekter USB-Anschluss) Chip-Off-Verfahren 480–980 €. Erfolgsquote bei microSDs etwas niedriger als bei größeren Datenträgern (40–80 %), weil die Bauweise sehr empfindlich ist.

Was kostet die Diagnose?

35 € Festpreis-Diagnose im Labor (auf eigenen Kosten einsenden). Wir prüfen den Datenträger fachgerecht, identifizieren das Schadensbild und liefern eine realistische Erfolgsquoten-Einschätzung sowie einen Festpreis für die eigentliche Datenrettung. Bei Beauftragung der Rettung werden die 35 € angerechnet – bei Ablehnung sind sie verbraucht, Rückversand auf Kundenkosten.

Lohnt sich Datenrettung überhaupt, wenn so teuer?

Das hängt vom Wert der Daten ab. Bei beruflichen Daten (Verträge, Buchhaltung, Kundendatenbanken): praktisch immer ja. Bei privaten Erinnerungen (Familienfotos, Videos): emotional fast immer ja. Bei kommerziell ersetzbaren Daten (Musik-Sammlung, Filme): nein, Backup oder Neukauf wirtschaftlicher. Die Faustregel: wenn der Wiederbeschaffungswert der Daten (Zeit, Geld, Emotionalität) über 500 € liegt, lohnt sich die Rettung in der Regel.

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Über den Autor: Martin Bäte ist Geschäftsführer der FBB-Service Management GmbH (Zedernstraße 4, 94369 Rain), eines deutschlandweit tätigen Reparatur-Netzwerks mit über 1.300 abgewickelten Kundenaufträgen. Der Inhalt dieser Seite beruht auf praktischer Erfahrung im Tagesgeschäft.

Letzte Aktualisierung: 25. Mai 2026 · Zurück zur Startseite