SSD Datenrettung: was bei Samsung, Crucial, Kingston, WD möglich ist
SSDs sind nicht ausfallsicher, sie versagen anders als klassische Festplatten und oft ohne Vorwarnung. Die Datenrettung ist technisch anspruchsvoller, aber bei vielen Defekten möglich.
Daten wichtig? Nicht weiter probieren, Datenrettung anfragen
Redaktion: Stefan Fleckenstein, Vierstein · Fachlich geprüft vom Werkstattnetz · Vierstein UG (haftungsbeschränkt) i. G., Springe
Warum SSD-Datenrettung schwieriger ist als HDD-Datenrettung
Bei klassischen Festplatten kann man oft Bauteile tauschen (Controller, Schreib-Lese-Kopf) und dann die Magnetschicht direkt auslesen. Bei SSDs sind die Daten in NAND-Flash-Chips gespeichert, die per proprietärem Controller-Algorithmus verschlüsselt und über den TRIM-Befehl regelmäßig "aufgeräumt" werden. Wenn der Controller stirbt, sind die Daten ohne Spezial-Equipment nicht mehr lesbar.
Was wir bei welchem Hersteller können
- Samsung SSD (970/980/990 Pro/Evo, T7/T9 Portable): Samsung-Controller sind weit verbreitet, gute Reverse-Engineering-Werkzeuge verfügbar. Erfolgsquote bei Controller-Defekt typisch 65-85%.
- Crucial / Micron: Crucial-SSDs nutzen Marvell- oder eigene Controller. Reverse-Engineering teilweise möglich. Erfolgsquote 60-80%.
- Kingston: Verschiedene Controller je nach Modell (Phison, SMI, Marvell). Modell-spezifische Werkzeuge. Erfolgsquote 55-75%.
- Western Digital (WD Blue/Black/Green SSD): SanDisk-Erbe, gute Datenrettungs-Tools. Erfolgsquote 65-80%.
- Sandisk Portable SSDs (Extreme, Extreme Pro): Bekannte Reihe mit Controller-Problemen, haben oft USB-Adapter-Schaden im Gehäuse, der reparabel ist.
Typische SSD-Defekte
| Defekt | Symptom | Rettung |
|---|---|---|
| Controller-Tod ("BSOD-Wand") | SSD wird gar nicht mehr erkannt | Chip-Off + Re-Mapping |
| Firmware-Korruption | SSD wird erkannt, aber Daten unzugänglich | Firmware-Reflash |
| Bad Blocks über Schwelle | Plotzliche Verlangsamung, Bluescreens | Image-Erstellung mit Bad-Block-Skip |
| USB-Adapter-Defekt (Portable) | Externes Gehäuse, nicht-erkannt | Adapter-Tausch (oft simpel) |
| Thermisch überhitzt | Aussetzer beim großen Datenkopieren | Cooling + Image-Erstellung |
Kostenbereich
- USB-Adapter-Tausch bei Portable SSDs: 80-180 EUR
- Firmware-Reflash / logische Reparatur: 280-480 EUR
- Controller-Defekt mit Chip-Off-Verfahren: 680-1.480 EUR (je nach Speichergrösse)
- NVMe M.2 SSD-Datenrettung: oft teurer wegen kompakterer Bauform und neuerer Controller
Prüfen Sie zuerst selbst
- SSD mit anderem Kabel an anderem PC versuchen.
- Im BIOS prüfen, ob die SSD erkannt wird.
- Bei Portable: Gehäuse-LED leuchtet?
- SMART-Daten via CrystalDiskInfo lesen (zeigt Verschleisszustand).
